Kann man die Heizleistung selbst berechnen?

Die Heizung soll sorgfältig geplant werden – sie wird ja nicht jedes Jahr ausgetauscht und jeder Fehler, der sich in der Planung einschleicht, hat eine Auswirkung auf den Betrieb der Heizung in den nächsten 10-15 Jahren oder noch länger. Natürlich ist es nicht schlimm, wenn man die Berechnung der Heizlast einem Fachmann überlässt, doch kann man die Vorgehensweise bei der Bestimmung der erforderlichen Heizleistung irgendwie nachvollziehen?

Ja, das ist möglich, aber… Wer auf eine bis auf einen Watt genaue Berechnung hofft, wird enttäuscht sein. Es ergibt keinen Sinn, durch eine sehr präzise Auslegung Heizkosten sparen zu wollen – später kann sich herausstellen, dass die Heizung zu knapp ausgelegt wurde. Dann wäre es aber ein wenig zu spät…

Welche Einflussfaktoren spielen bei der Berechnung eine Rolle?

Nur die Raumdimensionen und erwünschte Temperatur? Nein, so einfach ist es doch nicht. Natürlich spielen die Breite, Länge und Höhe des Raumes eine entscheidende Rolle, genauso wie die Raumart, die die Zieltemperatur bestimmt. Die meisten Räume berechnet man mit 20 °C – außen den Bädern, wo üblicherweise nicht weniger als 24 °C herrschen sollen. Auch die Kinderzimmer werden in der Regel auf etwas mehr als 20 °C erwärmt. Die Außentemperatur soll auch berücksichtigt werden. Die meisten Berechnungen gehen davon aus, dass eine konstante Temperatur von -10 °C draußen herrscht – sicherheitshalber, so dass die Heizung auch an den kältesten Tagen ausreicht.

Alt- oder Neubau? Diese Fragestellung soll in der Berechnung auch mitbetrachtet werden. Wenn eine Altbauwohnung über eine solide Wärmedämmung verfügt, kann sie u.U. dem Neubau gleichgesetzt werden. Zum Leistungsbedarf für einen Quadratmeter Neubauwohnung gibt es verschiedene Ansätze, doch rechnen wohl die Meisten mit ca. 100 W bei ca. 2,5 m Raumhöhe. Sollte es sich um eine Altbauwohnung ohne Isolierung handeln, kann der Wert um 50% oder mehr steigen. Die o.g. Werte beziehen sich auf die Raumtemperatur von 20 °C – fürs Bad sollen ca. 15% mehr Heizleistung eingeplant werden.

Wärmedämmung beeinflusst den Leistungsbedarf, doch müssen auch die Fenster entsprechend betrachtet werden. Die Fenster sind deutlich dünner als die Außenwände und an ihrer Stelle findet immer ein Wärmeverlust statt. Ob sie zwei oder drei Scheiben haben und in welchem Zustand die Rahmen sind – je größer das Fenster, desto mehr Wärme geht nach außen verloren.

Es ist wichtig, wie das Zimmer gelegen ist. Die Räume, die Richtung Norden orientiert sind, brauchen deutlich mehr Heizleistung als diejenigen, die ihre Fenster Richtung Süden haben – die Letzteren können fast den ganzen Tag den Sonnenschein genießen. So werden viele Wohnzimmer ausgelegt – dadurch sind sie hell und warm das ganze Jahr, ohne dass sie viel Zusatzleistung brauchen. Dies ist besonders wichtig, weil diese Räume ja oft die größten in der ganzen Wohnung sind.

Die Heizungsanlage selbst ist auch nicht ohne Bedeutung. Alle bisher angegebenen Werte entsprechen einer Vorlauftemperatur von 75 °C und einer Rücklauftemperatur von 65 °C bei der Raumtemperatur von 20 °C. Mit der Senkung der beiden ersten Temperaturen steigt der Leistungsbedarf. 5 °C weniger im Vorlauf (also 70°C) und 10 °C weniger im Rücklauf (55 °C) und wir brauchen ca. 25% mehr „Dampf“.
Beispielrechnung

Gehen wir von einem Zimmer aus, das 4 m breit und 5 m lang ist (20 m²). Im Neubau würde der Leistungsbedarf bei ca. 2 000 W liegen (20 m² x 100 W/m²), wenn wir von einer Zieltemperatur von 20 °C ausgehen. Sollte es sich um ein Badezimmer handeln, steigt der Leistungsbedarf auf ca. 2300 W (15% mehr, also + 300 Watt). Reden wir vom Altbau, bekommen wir 3 000 W oder mehr raus – hier ist es sehr schwer zu schätzen, wie gut oder schlecht der Zustand einer Altbauimmobilie ist.

Sollten die Vor- und Rücklauftemperatur entsprechend 55 und 45 °C betragen, steigen die o.g. werde auf fast 4 (Neubau) bzw. 6 kW (Altbau). Doch damit ist die Hochrechnung noch nicht fertig. Es ist immer empfehlenswert, mit einem entsprechenden Puffer zu planen – für alle Bedingungen und Umstände, die die Lage verschlechtern, aber in der Berechnung nicht mitberücksichtigt werden. Ein guter Richtwert ist 30 bis 50% mehr als das, was so eine Standardberechnung ergibt. Mit einem solchen Aufschlag sollen unangenehme Überraschungen in der Zukunft vermieden werden – es soll definitiv ausreichen, um den Raum auf eine beliebige Temperatur zu erwärmen – egal, wie kalt es draußen ist.